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Giusi Verre verkleinert seine fitnessplus Kette um die Hälfte

Giusi Verre ist seit über 20 Jahren eine bekannte Persönlichkeit in der Schweizer Fitnessbranche. Er hat die Premiumkette fitnessplus zu einer der grössten privaten und inhabergeführten Fitnessketten der Schweiz aufgebaut. Vor fünf Jahren hat er sieben Center von TC Training Center übernommen und seine Kette auf 14 Anlagen ausgebaut. Nun hat Giusi Verre die Hälfte seiner Center verkauft: Zwei Center an seinen Vermieter und fünf Center an den Discounter basefit.ch. Gerade der Verkauf an basefit.ch hat grosse Wellen geschlagen. Nebst einigen Zeitungen, welche teilweise darüber berichtet haben, war dieser Deal sogar in der bekannten Schweizer Fernsendung „Kassensturz“ eines der Hauptthemen. Roger Gestach hat ein exklusives Interview mit Giusi Verre erhalten.

RG: Lieber Giusi, herzlichen Dank, dass Du bereit bist für dieses Interview. Noch vor nicht allzu langer Zeit, war es Dein persönliches Ziel, mit Deiner fitnessplus-Kette zu wachsen. Du hast mir mal erzählt, dass Du Deine Firmengruppe auf sicher über 20 Center ausbauen möchtest. Nun die Trendwende, Du hast die Hälfte Deiner Anlagen verkauft und bist jetzt bei sieben Center. Warum hast Du diese Center verkauft?

GV: Wie Du weisst Roger, habe ich zusammen mit Karin Diethelm die Marke fitnessplus aufgebaut. Wir nannten die Center unsere Kinder. Leider ist Karin im Februar ihrer langen Krebskrankheit erlegen. Sie hat bis zum Schluss wie eine Löwin gekämpft. Nach ihrem Tod habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll. Dazu kommt, dass wir aktuell sehr viel Dynamik im Fitnessmarkt erkennen können. Das hat mich dazu bewogen, uns wieder auf unseren Ursprungsgedanken zu besinnen: Hohe Qualität im Fitnessbereich. Diese ist ab einer gewissen Grösse sehr viel schwieriger umzusetzen, sodass wir entschieden haben, sieben der 14 Anlagen zu verkaufen.

RG: Du hast fünf Center an basefit.ch verkauft und zwei Center an Deinen Liegenschaftsvermieter Rolf-Peter Zehnder. Warum hast Du diese Aufsplitterung mit zwei Käufern gemacht?

GV: Das war so nicht geplant, sondern hat sich aus den Anfragen und Verhandlungen heraus so ergeben.

RG: Du hast genauso viele Center verkauft, wie du vor fünf Jahren von TC Training Center gekauft hast, nämlich sieben. Ist dies Zufall oder wolltest Du bewusst wieder auf die gleiche Anzahl Standorte wie vorher?

GV: Das ist Zufall.

RG: Will fitnessplus zukünftig auch wieder wachsen oder sagst Du Dir  „lieber kleiner aber feiner“?

GV: Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, befinden wir uns in einem sehr dynamischen Umfeld. Wir werden selbstverständlich weiterhin alle Anfragen in alle Richtungen prüfen und schliessen nicht aus, dass wir an strategisch guten Standorten auch den einen oder anderen Club übernehmen würden.

RG: Sind weitere Verkäufe von Centern geplant?

GV: Diese Frage schliesst an die vorgängige an. Aktuell gehen wir nicht davon aus, dass weitere Center verkauft werden.

RG: In der Fernsehsendung Kassensturz wurdet Ihr heftig kritisiert, aus drei Gründen. Erstens, weil Ihr bis kurz vor dem Verkauf noch Vorverlängerungsaktionen gemacht habt. Zweitens, weil mit dem Verkauf an basefit.ch die Kunden einen Teil des Angebots verlieren (z.B. Wellness und Livekurse.) und basefit.ch auch doppelt so günstig ist. Drittens, weil Ihr nicht kommuniziert habt, dass Ihr den Kunden Rückzahlungen anbietet. Bitte nimm doch kurz zu den drei Anschuldigungen Stellung?

GV: Tatsache ist, dass wir Ende Juli die Verträge unterzeichnet haben und somit die Kunden wie auch die Teams erst am 30. Juli 2018 informieren konnten. Um unnötigen Gerüchten oder Spekulationen zuvor zukommen, wurde das Tagesgeschäft normal aufrecht gehalten. Zu erwähnen ist, dass wir nicht explizit eine Vorverlängerungsaktion gemacht haben, sondern wie in den letzten elf Jahren die Sommerkampagne lief, wovor auch bestehende Kunden profitieren können. Richtig ist, dass bei basefit.ch einige Angebote nicht enthalten sind. Für 98% der Kundinnen und Kunden hat sich die Leistung allerdings nicht wesentlich verändert, da diese hauptsächlich das Kraft- und Ausdauertraining genutzt haben. Dazu kommt, dass wir allen Kunden aus Goodwill angeboten haben, bis zum Ablauf der Mitgliedschaft auch bei uns weiterhin trainieren zu können. So sind diese Kunden auf einen Schlag in den Genuss gekommen, in insgesamt 42 Anlagen schweizweit zu trainieren. Ziel war und ist, die Kunden weiterhin zu motivieren, ihr Training fortzuführen. Und wie wir nun auch feststellen, war und ist es für die Kunden eher ein Gewinn, in noch mehr Anlagen trainieren zu können, als das sich das Angebot fundamental geändert hätte. In Härtefällen haben wir uns von Beginn weg mit den Kunden auseinandergesetzt und nach entsprechenden Lösungen gesucht und auch gefunden.

RG: Wieso ist alles so kurzfristig passiert?

GV: Unser Ziel war es, dass der Deal spätestens per 1. August stattfindet. Da wir wussten, dass basefit.ch Aus- und Umbauten bei laufendem Betrieb vornehmen wird, war es uns sehr wichtig, dass diese während den doch sehr viel ruhigeren Sommermonaten stattfinden. Und wie bereits erwähnt, wurden die Verträge Ende Juli erst unterzeichnet, sodass es zu dieser Kurzfristigkeit gekommen ist.

RG: Hast Du Verständnis für die verärgerten Kunden?

GV: In den letzten 22 Jahren haben wir insgesamt 13 Anlagen übernommen, immer massiv aus- und umgebaut, erneuert und mit vielen neuen Angeboten ausgestattet. Das wurde immer sehr gerne angenommen und da wurden wir auch nie bei einer Konsumentenorganisation lobend erwähnt. Es wurde einfach hingenommen. Nun haben wir erstmalig in unserer Firmengeschichte Anlagen verkauft. Bei zwei Anlagen bleiben die Angebote erhalten, sodass es für die Kunden keine Veränderungen gibt. Bei fünf Anlagen gibt es Anpassungen und da ist es natürlich auch verständlich, dass es Nebengeräusche gibt, welche aber wie erwähnt, sich im sehr kleinen Rahmen bewegen.

RG: Auf Facebook wurdest Du von einer bekannten Persönlichkeit aus der Fitnessindustrie massiv persönlich angegriffen wegen des Verkaufs an basefit.ch. Hast Du für diese Reaktion Verständnis?

GV: Grundsätzlich habe ich keine Probleme damit, wenn sich jemand direkt an mich wendet und mich mit einer Situation oder was auch immer konfrontiert. Diese Art und Weise kann ich leider nicht nachvollziehen, was ich dieser Person auch persönlich mitgeteilt habe. Ich finde es sowieso eine tragische Entwicklung, dass Menschen sich auf sozialen Netzen in der Art und Weise über andere auslassen.

RG: Du hast ein bewegtes Jahr hinter Dir. Zuerst der sehr traurige Tod von Deiner ehemaligen Geschäftspartnerin und Ex-Frau Karin Diethelm. Diesen Sommer hast Du wieder geheiratet. Nun der Verkauf der Hälfte Deiner Center. Und in ein paar Wochen wirst Du zum ersten Mal Vater. Also viel mehr Action mit Hochs und Tiefs kann man wahrscheinlich in so wenigen Monaten nicht haben. Wie hast Du die letzten Monate erlebt?

GV: Das kann in Worte kaum beschrieben werden. Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Berg- und Talfahrt. Wenn Dir innerhalb einer Woche ein Leben genommen und eines geschenkt wird, erkennst Du die wirklich wichtigen und wahrhaftigen Momente im Leben.

RG: Du hast nun selber einen Teil Deiner Center an eine noch grössere Kette verkauft. Was glaubst Du, geht dieser Prozess so weiter? Kaufen die Grossen noch mehr dazu und am Schluss gibt es wie im Detailhandel nur noch ein paar grosse Ketten in der Fitnessbranche?

GV: Es ist unbestritten, dass dieser Prozess noch weiter vorangetrieben wird. Davon bin ich überzeugt.

RG: Können grössere Einzelstudios zukünftig noch überleben. Oder werden irgendwann alle Einzelstudios ab 1000 Quadratmeter in den grösseren Einzugsgebieten von den Ketten „gefressen“?

GV: Davon bin ich auch überzeugt. Es braucht jedoch eine klare Positionierung und entsprechenden Einsatz von den Teams; allen voran von den Besitzern.

RG: Du trainierst selber auch sehr viel in Deinen eigenen Studios. Auch Deine Frau arbeitet bei fitnessplus und trainiert viel. Gibt es bei den Verres auch noch etwas anderes als Fitness oder was sind Deine sonstigen Hobbies?

GV: Wir sind leidenschaftliche Fitness-Freaks. Trotzdem gibt es bei uns zum Glück auch noch andere Dinge im Leben. So geniessen wir bspw. das gemeinsame Skifahren, Bootsausflüge und bald unseren Nachwuchs.

RG: Herzlichen Dank für dieses Interview.