Debbie und Carlos Rosas

Nia - eine Martial Art-Technik
nicht nur für Tänzer



Interview mit Debbie (DR) und Carlos Rosas (CR)
im Gymnata Damen-Fitnessstudio in Kloten bei Zürich

FT: Zunächst möchte ich Euch, Debbie und Carlos, ein Kompliment zu Eurem Aussehen und Eurer persönlichen Fitness machen! Debbie, wie alt bist Du?

DR: Ich bin 51.

FT: Und Du, Carlos?

CR: Ich bin 50.

FT: Nia ist wie ein Tanz, der Menschen bei der Entscheidung hilft, wirklich etwas für ihre Gesundheit und ihren Körper zu tun - und zwar auch von innen, von der spirituellen Seite her. Für viele bedeutet Nia auch, etwas für ihre Seele tun zu können. Ich glaube, Ihr seid beide jetzt zum dritten Mal seit 1999 in der Schweiz, und wir möchten mit diesem Interview das Nia-Ausbildungsprogramm etwas näher beleuchten. Als ich mir Gedanken zum Titel für dieses Interview machte, boten sich mir zwei Möglichkeiten: Nia - eine Martial Arts-Technik nur für Tänzer oder Nia - die sanfte Art des TaeBo.

CR: Nia ist alles, Nia ist sanft, Nia ist schnell, Nia ist Kampfsport, Nia ist künstlerischer Ausdruck. Nia bezieht seine Stärke aus der Tatsache, dass hier sämtliche Bewegungsformen, zu denen der Körper fähig ist, vereint werden. Ich bin zwar schon 50, aber durch und durch gesund und fit, und das auch deshalb, weil ich alle Bewegungsformen beherrsche - von Funk über harte Martial Arts, Tae-Kwon-Do bis hin zu den langsamen Bewegungen des Tai Chi und den schöpferischen Bewegungen reiner Improvisation. Nicht Tanz, sondern Nia hält mich gesund.

FT: Generell habe ich den Eindruck, dass sowohl in Europa als auch in den USA Frauen 80 bis 90% aller Nia-Anhänger ausmachen. Liegt das daran, dass Nia ganz wesentlich auf Tanz- und Aerobicbewegungen aufbaut und Männer vielleicht einfach kein Interesse oder auch nicht die Fähigkeit haben, diesen tänzerischen Bewegungen zu folgen?

DR: Im allgemeinen ist das in Studios angebotene Gruppentraining vorwiegend für Frauen geeignet, was sich im höheren prozentualen Frauen-Anteil widerspiegelt. Es ist ganz einfach so, dass dies für Frauen eine Möglichkeit ist, mit anderen zusammen zu sein, es ist eine sportliche Aktivität, die auf Frauen einen ganz speziellen Reiz ausübt, da sie feminine und maskuline Bewegungen vereint - sie können damit nicht nur die sanfte Seite ihres Wesens, sondern auch ihre härtere, aggressivere, durchsetzungsfreudige Seite zum Ausdruck bringen.

FT: In der englischen Version unserer Website www.fitnesstribune.com findet sich im Archiv unter Nr. 68/2 ein Interview, das ich vor zwei Jahren über die unterschiedlichen Stilrichtungen von TaeBo über Nike Fighting Fit bis Body Combat usw. abgedruckt habe und in dem ich die Frage aufgeworfen habe, warum im Gegensatz zu Karate, Judo usw. keine dieser Kampfsport-Gruppentechniken ein Graduierungssystem in Form diverser Gürtelgrade nutzt. Nia ist die erste Gruppenübungstechnik, bei der verschiedene Gürtelgrade verliehen werden und ich finde, dies ist eine sehr gute Idee. War dies bereits zu Beginn Eure Absicht, als Ihr mit der Entwicklung von Nia angefangen habt?

CR: Diese pädagogische Komponente bestand bei Nia von Anfang an. Wir gingen davon aus, dass Nia erst im Verlaufe vieler Jahre richtig erlernt werden kann und entschieden uns daher für das Gürtelgrad-System. Lehrer und Schüler sollten ein Jahr lang trainieren, und erst dann wieder kommen, um ihren ersten farbigen Gürtel, den Blue Belt, zu erwerben. Die einzelnen Gürtel beziehen sich auf verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit Bewegung wie auch mit der Fähigkeit der Schüler, einen fliessenden, interaktiven Kommunikationsstil zu entwickeln. Erziehung ist also ein ganz wesentlicher Aspekt bei Nia, und das war von Anfang an so.

FT: Was Du, Carlos, gerade gesagt hast, ist gut. Bei meiner Forderung geht es aber vor allem um den Punkt "Sicherheit" beim Training. Wie können die Leute, die am Martial-Art-Gruppentraining mitmachen wollen, sicher sein, dass sie sich dabei nicht verletzen. Was sagst Du dazu, Debbie?

DR: Sicherheit ist bei Nia garantiert, denn wir befähigen den Schüler, sein eigenes Potenzial auszuloten. Wir lassen ihn nicht einfach das kopieren, was wir tun, sondern er soll die Bewegungen entsprechend seinem Körpergefühl interpretieren. Körperbewusstsein und bewusste Wahrnehmung der Bewegung, die intensive Konzentration auf das, was man tut, macht es möglich, in drei verschiedenen Stufen - Schwierigkeitsgraden - zu arbeiten. Sämtliche Bewegungen werden von uns jeweils in einer ersten, einer zweiten und einer dritten Stufe vermittelt - es ist also ein Entwicklungsprozess. Dadurch bleibt den Teilnehmern die Entscheidung, wie weit sie gehen wollen, stets selbst vorbehalten; dabei soll das Ziel - Entspannung und Balance - stets im Auge behalten werden. Wenn sie bestimmte Übungen schwierig finden, dann ist dies ein Anzeichen dafür, dass sie das, was und wie sie es tun, ändern müssen. Zwar trainieren die Schüler bei der Gruppenübung gemeinsam, doch bewegt sich jeder dabei auf eine einzigartige, für ihn typische Art und Weise.

FT: Ist mit diesen drei Stufen jeweils ein Zeitabschnitt oder das Gürtelgrad-System gemeint, Carlos?

CR: Nehmen wir das Gürtelgrad-System. - Es vermittelt pädagogisch, wie Bewegungen sicher erfolgen und wie die drei Stufen bei der Durchführung intensiver Körperbewegungen einzusetzen sind. Man erfährt z.B., dass man, wenn man abgespannt ist, keine aggressiven oder ermüdenden Bewegungen machen soll. Mit den drei Stufen sollen die Teilnehmer dazu angehalten werden, bewusst Aufmerksamkeit walten zu lassen, um Verletzungen zu vermeiden.

FT: Das heisst also, dass diese drei Stufen stets in die Nia-Technik einfliessen, egal, ob jemand einen White, Blue oder Black Belt hat?

DR: Genau, und selbst Olympia-Athleten führen ein solch abgestuftes Training durch. Wir vermitteln den Teilnehmern, Energie aufzubauen anstatt sie zu vergeuden. Nach Übungsende sollen sie sich energiegeladen, nicht erschöpft fühlen. Es passiert nicht selten, dass jemand müde und ausgelaugt zum Training kommt und am Ende sagt: "Toll, ich fühle mich jetzt so gut, dass es mir gar nichts mehr ausmachen würde, zuhause mit den Kindern zu spielen, das ganze Haus zu putzen oder noch zwei Stunden weiter zu arbeiten." Wir arbeiten mit einer Vielzahl verschiedenster Bewegungen und Energieformen und vermitteln unseren Teilnehmern damit, wie der Körper neue Energie tanken kann.

FT: Dies ist also einer der Unterschiede zu traditioneller Martial Art und TaeBo. Wann habt Ihr mit Nia begonnen?

CR: Wir haben Nia 1993 als neues Fitnesskonzept eingeführt, doch beschäftigen wir uns bereits seit zwanzig Jahren damit. Anfangs haben Debbie und ich uns mit einer kleinen Auswahl an Bewegungen und Kombinationen begnügt. Im Laufe der Jahre haben wir Nia kontinuierlich weiter entwickelt, und in diesem Prozess haben auch wir beide uns selbst weiter entwickelt. Nia brachte uns zunehmend Nutzen, wir wurden erfahrener, weiser, und Ähnliches war auch bei unseren Schülern zu beobachten. Teilnehmer an Nia-Kursen beginnen zunächst auf einer ganz elementaren Stufe und sie wissen bereits dann, dass sie in fünf Jahren ihren Körper besser kennen und über bessere Ausdrucksmöglichkeiten verfügen werden. Gleichzeitig geht es aber auch darum zu vermitteln, dass Wellness und Gesundheit bei Nia nicht mit körperlich erschöpfendem Training verbunden sind, sondern dass im Gegenteil Wellness und bewusste Körperwahrnehmung durch Körperbewegung erzielt werden, die auf Erfahrung, Entspannung und höchster Sicherheit aufbaut. Daher legen wir bei der Ausbildung grossen Wert darauf, unseren Schülern Sicherheit zu vermitteln.

FT: Aus Euren Biografien, die unter www.nia-nia.com zu finden sind, geht hervor, dass Ihr beide über einen reichen Erfahrungsschatz im Tanz verfügt. Doch woher kommt Eure Verbindung zu den Martial Arts?

DR: Wir haben viel Erfahrung in Martial Arts und ich speziell habe lange im Bereich traditioneller Fitness gearbeitet. Von 1975 bis 1982 hatte ich eine Aerobic-Firma in Kalifornien. Ende 1982 erwarb Carlos (er war damals Tennisprofi) sein Sportdiplom und fing in meiner Firma an. Wir begannen uns über unsere Fitness Gedanken zu machen und die allgemein gültigen Fitnessbegriffe in Frage zu stellen. Wir fanden, dass es möglich sein müsste, unseren Schülern in einer Stunde mehr zu vermitteln, als dies bisher der Fall war. Wir hatten den Schwerpunkt bis dahin lediglich auf Aerobicübungen und Herz- und Lungentraining gelegt und überlegten nun zunehmend, ob wir nicht auch Elemente wie Beweglichkeit, Flexibilität, Koordinations- und Balanceübungen mit verschiedenen Geschwindigkeiten, Timing und Fokus einbauen könnten - was wir anstrebten, war quasi ein vielgestaltiger Tanz zwischen Bewusstsein, Emotionen und Geist. So besannen wir uns auf Martial Arts und zogen die Einführung eines Graduierungssystems mit Gürtelabstufungen in Betracht. Zunächst beschäftigten wir uns mit Tae-Kwon-Do, einer vergleichsweise harten Kampfsport-Technik. Das tat uns zwar gut - unsere Körper wurden schön muskulös - aber wir hatten auch immer noch Muskelkater und steife Gelenke. Wir wussten, dass dies alles Anzeichen für kleine Verletzungen waren und dass wir immer noch kein wirklich ganzheitliches Fitnesskonzept für Balance und Gesundheit hatten. Wir schlussfolgerten, dass ein Gegenpol zu den körperstärkenden, aggressiven Bewegungen in Form sanfter, weicher Bewegungen geschaffen werden müsste. Das war der Beginn unserer Beziehung zu Tai Chi und wir entwickelten eine Balance zwischen kraftvollen, explosiven Bewegungen einerseits und sanften, schonenden Bewegungsformen andererseits, woraus sich dann ein neues Fitnesskonzept entwickelte, das unseren Körpern zu mehr Sensibilität und bewusster Wahrnehmung verhalf. Wir nahmen Feinheiten jetzt bewusster wahr und konzentrierten uns weniger auf schwere, harte Übungen. Wir profitierten von den Martial Arts-Techniken besonders bezüglich Präzision und bewusstem Einsatz des Geistes, doch was uns fehlte, waren der Spass, die Ausdruckmöglichkeiten und die spielerische Leichtigkeit, die mit Aerobic verbunden sind. Also begannen wir uns näher mit Tanzformen zu beschäftigen, um mehr Spass und Freude und Ausdrucksstärke in das Programm einfliessen zu lassen. Mit Jazzelementen integrierten wir leichte, effektvolle Einlagen, mit Modern Dance und Duncan Dance schufen wir Raum und Form. All dies führte uns schliesslich auf eine höhere energetische Ebene und mit dem zuvor häufig erlebten Energieverlust war Schluss. Mit Martial Arts gelangten wir zu höchster Präzision, Tanz vermittelte uns Ausdrucksstärke - die heilende Komponente aber fehlte uns noch. Wir mussten unseren Schülern eine Möglichkeit zur Selbstheilung ihres Körpers und Wege zu einem optimaleren Körpergefühl und -bewusstsein bieten. In diesem Sinne nutzten wir dann zunehmend Feldenkraiselemente und -theorien, die Alexandertechnik und Joga. Wir entwickelten damit ein sehr ausgewogenes Programm, das auf schnellen und langsamen sowie auf weichen und harten Bewegungen basiert. Durch unsere anfängliche intensive Beschäftigung mit Martial Arts haben wir gelernt, dass Körperbewegung im Einklang mit den Funktionen des Körpers erfolgen muss, die ihm von Natur aus zugedacht sind.

Nia Technik - die sanfte Version des TaeBo?

FT: Jetzt sagt mir nur nicht, dass Billy Blanks auch zu Euren Schülern gehört hat; das war als Witz gemeint, aber er hat ja Martial Arts-Gruppentraining als Geschäftsidee in den Studios eingeführt und war damit kommerziell sehr erfolgreich. Warum bleibt Nia ein solcher Erfolg bisher versagt?

DR: Der Grund, warum Nia es noch nicht soweit geschafft hat, liegt sicher darin, dass wir Nia nicht leicht gemacht haben. Wir hätten es tun können, aber Nia ist so komplex wie der menschliche Körper und ganz individuell. Das Programm von Billy Blanks ist eine Blaupause und alle üben dabei nach dem gleichen Schema. Wir aber gingen von Anfang an davon aus, dass jeder Mensch einzigartig ist. Was man tut, sollte mit seinem eigenen Körper in Einklang stehen, sodass man ihn stärken und revitalisieren kann, womit ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess ohne Verletzungen ermöglicht wird.

FT: Dabei spielt auch die Flexibilität eine Rolle, die bei jedem anders zum Ausdruck kommt.

DR: Das stimmt, und daher ist Nia ungleich komplexer. Wir hatten bereits 1993 Kicks und Punches im Programm, zu einer Zeit also, als TaeBo noch gar nicht auf dem Markt war. Und auch Martial Arts-Elemente waren damals schon Bestandteil unseres Bewegungsprogramms. Nia ist in Amerika entstanden, es ist ein ganzheitliches Fitnesskonzept, bei dem es um mehr als straffe Schenkel und Pobacken geht. Der Schüler, der an dem, was wir tun, Gefallen findet, sucht nach etwas mit einer tieferen Bedeutung, was über die blosse Beschäftigung mit der äusserlichen Körpererscheinung hinaus geht.

FT: Das sieht man, wenn man Euch beim Unterricht zuschaut. Dir und Carlos scheint grosser Respekt entgegen gebracht zu werden, ganz so wie vor 20 oder 30 Jahren, als die ersten japanischen Black Belt-Lehrer nach Europa bzw. die Tae-Kwon-Do-Experten mit ihrem 8. Dan in die USA kamen. Was bedeutet Nia eigentlich genau?

CR: Der Begriff Nia bedeutet ursprünglich "Non Impact Aerobics" (sanftes Aerobic). Wir führten non-impact Aerobic mehrere Jahre lang durch und wollten auch in Medizinerkreisen darauf aufmerksam machen, dass es bei Nia um das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist geht, und so tauften wir es um in "NUR - Neuromuscular Integrative Action" (etwa: Fitness für Nerven und Muskeln). Später erfuhren wir, dass Nia auf Swahili "sinnerfüllt" heisst und dies beschreibt bestens, worum es bei Nia geht: um zweckgerichtete Bewegung, die sich sinnvoll an den Bedürfnissen des Einzelnen ausrichtet. Heute hat Nia eine Vielzahl von Bedeutungen für seine Anhänger; so bedeutet es für manche z.B. "Nirvana In Action", für andere "Now I Am", doch am sympathischsten klingt immer noch ganz einfach "Nia". Nia ist eine ganz persönliche Erfahrung, das sollte man stets bedenken.

FT: Wir wollen nun langsam zum Ende kommen, obwohl wir noch lange weiter philosophieren könnten. Aber unsere Leser interessiert natürlich auch besonders, wie viel sie bezahlen müssen, um einen Nia White Belt, Blue Belt usw. zu erwerben. Debbie, wie sieht Euer Nia Programm aus?

DR: Die Kurse werden an zahlreichen Orten zu unterschiedlichen Preisen in Deutschland und der Schweiz angeboten - die Veranstaltungsorte und Preise sind auf der Website zu finden. Zum Gürtelgrad-System, im Englischen, dem Belt System, ist zu sagen, dass Teilnehmer, die einen bestimmten persönlichen Grad erwerben bzw. Ausbilder werden möchten, stets mit dem White Belt beginnen. Dies beinhaltet ein 7-tägiges hochintensives Programm, das "White Belt Intensive". In dieser Woche werden die wichtigsten 13 Nia-Prinzipien behandelt, die die Grundlagen für die Arbeit bilden. Das gesamte 4-stufige Belt System umfasst 52 Prinzipien, und jeder beginnt zunächst mit den ersten 13. Nach dieser ersten Woche erhalten Lehrer die Ausbildungsberechtigung für dieses Programm und können damit nun den Kundenkreis in ihren Fitnessstudios, Tanzzentren und Martial Art-Studios erweitern.

FT: Welcher Zeitraum liegt zwischen den einzelnen Belt-Stufen?

DR: Zwischen den einzelnen Gürtelprüfungen liegt jeweils ein Jahr, und wir haben in Deutschland mit Ann Christiansen eine Lehrerin, die dort die White-Belt-Ausbildung durchführen wird. Carlos und ich erscheinen auch zwei-, dreimal pro Jahr und führen Kurse durch. Wir bieten auch ein Training in den USA an.

FT: Wie lange muss man für den Blue Belt trainieren?

CR: Es muss mindestens ein Jahr lang trainiert werden, dann können die Anwärter zu einem einwöchigen Intensivtraining kommen und den Blue Belt erwerben. Anschliessend muss ein volles Jahr weiter trainiert werden. Sie erhalten Videos, die ihnen beim Training zuhause helfen, und gleichzeitig können sie weiter Kurse geben. Als nächstes geht es um den Brown Belt, bei dem wir uns auf die energetische Ebene konzentrieren. Die Schüler beherrschen inzwischen die ersten 13 Prinzipien des White Belt sowie die darauf folgenden 13 Prinzipien des Blue Belt und sind nun bereit, weitere 13, auf Energie abzielende Prinzipien für den Brown Belt in Angriff zu nehmen. Nach einem Jahr Ausbildung kann dann bei uns in einem Intensivkurs der Brown Belt erworben werden, wobei hoch kreative Prozesse eine wesentliche Rolle spielen. Es geht dabei um den Bruch mit körperlichen Gewohnheiten und um die Vermittlung eines wirklich fliessenden Stils. Ausserdem lehren wir auch so genanntes medizinisches Nia, womit Nia auf die Stufe eines echten Heilkonzepts gehoben wird. Das muss dann ein weiteres Jahr praktiziert werden, ehe bei uns dann die erste Stufe des Black Belt erworben werden kann.

FT: Debbie, Carlos - wenn Euch jemand fragt, welche Stufe des Black Belt Ihr habt, was antwortet Ihr dann?

DR: Wir haben bisher über 1500 Teilnehmer trainiert und mehr als 750 Lehrern in dreizehn Ländern das Zertifikat zur Ausbildungsberechtigung verliehen. Das Wunderbare und Attraktive an Nia ist, dass es für jeden, unabhängig von Alter und Kondition, geeignet ist. Und ich glaube, auch die Vielfalt der dabei von uns eingesetzten Musik trägt zur Attraktivität von Nia bei. Wir betrachten Musik als sehr wichtiges Element, das bei Bewegung und Erzielung von Ausdrucksstärke unterstützend wirken kann. Und wir finden, dass eine gewisse Magie entsteht, wenn sich Menschen aus Vergnügen und Lust in ihrer einzigartigen Individualität innerhalb einer Gruppe entfalten können. Wir versprechen uns viel von unserem neuesten Video, das von Warner Vision in Deutschland herausgegeben wurde. Dieses zweiteilige Video behandelt Nia Technik und ist unter dem Titel "Global unity" erschienen. Dabei geht es zunächst um einen einstündigen Workout, während die zweite Stunde den "praktischen" Teil darstellt. Hier erlernen die Schüler die Technik mit dem Ziel, aus dem einstündigen Gruppenkurs das Maximale für sich herauszuholen. Es ist praktisch eine persönliche Übungsstunde, ganz einzigartig und sehr ausführlich und eingehend.

FT: Meine letzte Frage an Euch beide: Welchen Stellenwert wird Nia im Rahmen der Fitnessbranche in 5 bis 10 Jahren einnehmen?

DR: Ich glaube, dass mit Nia der Grundstein für einen Wandel in der gesamten Fitnessindustrie gelegt wurde. Weil es Nia gibt, gibt es TaeBo, weil es Nia gibt, existieren Kickboxing, Joga, Feldenkrais im traditionellen Umfeld; all diese Bewegungsformen sind integriert, weil wir in die Welt der Erfahrungen mit Körper und Geist vorgedrungen sind. Wir zielen auf eine Verlangsamung der Dinge und ermuntern die Leute, Gefühle rauszulassen. Die Menschen werden künftig zunehmend nach immer mehr Erfahrung streben. Speziell die Babyboom-Generation, die zahlenmässig stärkste Generation mit einer gestiegenen Lebenserwartung, wird sich auf die Suche nach dem Sinn ihrer Lebenserfahrungen begeben. Sie wird nach ihrem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben vermutlich die wohlhabendste und grösste, über die meiste Freizeit verfügende Bevölkerungsgruppe sein. In diesem Zusammenhang wird Nia, das ja nicht nur Fitnesskonzept, sondern auch Training für Selbstverwirklichung und Lifestyle ist, zu einem wesentlichen Bestandteil der Fitnessstudio-Welt werden. Ich sehe Nia in der Rolle eines Visionärs und Wegbereiters, der dafür sorgt, dass dieses auf Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentfaltung abzielende Training in den Workout einfliesst; kurzum, ich betrachte Nia als Vorreiter und Fundament zugleich.

FT: Debbie, Carlos, vielen Dank für das Interview.

Info: Deutschland: www.anniann.de Schweiz: www.myrtadeNia.ch oder www.bodyandmore.ch


Fitness Tribune
Nr. 80 / S. 28-34